Ben Salomo, jüdischer Rapper: „Es fängt alles mit Worten an.“

Am 4. Mai 2021 fand für die Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe eine SOR-SMC-Veranstaltung im Rahmen des Religions- und Ethikunterrichts statt: ein von der Friedrich-Naumann-Stiftung ermöglichtes Online-Meeting mit dem jüdischen Rapper und Aktivisten Ben Salomo, moderiert von Christoph Giesa, Publizist und Buchautor („Echte Helden, falsche Helden – Was Demokraten gegen Populisten stark macht“).
Wie schon bei seinem Besuch am OHG im November 2019 sprach Ben Salomo über Antisemitismus nicht nur damals im dritten Reich, als Familienmitglieder von ihm den Nazis zum Opfer gefallen sind. Auch heute gibt es in Deutschland leider immer noch Antisemitismus. Schon in seiner Kindheit und Jugend wurde Ben Salomo als Jude angefeindet – traurige Erfahrungen, die ihn geprägt haben. Acht Jahre hostete er auf Youtube die erfolgreiche Veranstaltung „Rap am Mittwoch“. 2018 zog er sich jedoch aus der Szene zurück, da er immer wieder mit antisemitischen Anfeindungen konfrontiert wurde, vor allem hinter der Bühne bzw. außerhalb des Battle-Rap-Rings, wo – vergleichbar mit dem Box-Sport – verbale „Faustschläge“ akzeptiert werden. Allerdings gibt es auch da klare Grenzen, erklärt Ben Salomo. Pauschale Entwertungen wie im Sprachgebrauch von Neonazis, Antisemiten und Rassisten sind tabu. Und nach dem Schlagabtausch gibt man sich die Hand und redet wieder respektvoll und wertschätzend miteinander.
Heute warnt Ben Salomo vor gewaltverherrlichenden, sexistischen, rassistischen und eben auch antisemitischen Rap-Songs und Videoclips. Es besteht die Gefahr, dass durch das wiederholte Anhören solcher Songs, die auch die Charts stürmen, diskriminierende Einstellungen übernommen werden. Dies belegt eine neue Studie der Universität Bielefeld, berichtet zum Beispiel die FAZ am gleichen Tag („Gangsta-Rap fördert antisemitische Haltung“ am 4.5.2021).
Der israelbezogene Antisemitismus und der Nahostkonflikt, der nun eine traurige Aktualität bekommen hat, kamen auch zur Sprache. Die Thematik ist insgesamt vielschichtig und komplex. Leider ist bei dem Online-Format eine direkte Kommunikation schwierig. Bei einer Präsenzveranstaltung wäre wohl noch die ein oder andere zusätzliche Frage gestellt worden. Einspielungen von Videoclips lockerten den mitunter recht anspruchsvollen Vortrag auf. Beim Feedback und der Nachbesprechung in der darauffolgenden Ethik- bzw. Religionsstunde meinte ein Schüler, es hätten auch zwei Veranstaltungen sein können. Insgesamt waren die Schüler*innen beeindruckt von Ben Salomos spannenden und interessanten Berichten über seine persönlichen Erfahrungen, die oft sehr schmerzhaft waren. Bewundernswert ist sein Mut, mit dem er sich gegen Antisemitismus vor allem im Deutsch-Rap engagiert – auf verschiedene Weise: mit Vorträgen, seinem Buch „Ben Salomo bedeutet Sohn des Friedens“ oder zum Beispiel mit seinem neuen Song „Kronzeuge“.
„Es fängt alles mit Worten an.“, mahnt Ben Salomo. Also: Besser bei den Songtexten genau hinhören, Rap-Idole bezüglich ihrer Haltung und Gesinnung kritisch hinterfragen und dann vielleicht doch das ein oder andere Lied von der Playlist streichen – auch wenn Sound und Beat noch so cool sind!
Text: HV