Erfahrungsbericht über meine Bewerbung für ein Stipendium beim Evangelischen Studienwerk Villigst

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie wir in der Kursstufe im Rahmen der Stipendien-Infoveranstaltung über verschiedene Begabtenförderwerke informiert wurden. Im ersten Moment war ich mir nicht sicher, ob ich überhaupt eine Chance auf ein Stipendium bei einem der 13 „Begabtenförderwerke“ hätte. Ich nahm an, dass nur besonders begabte und besonders intelligente Schüler und Studenten eine Chance auf ein Stipendium hätten. Das sind Dinge, die ich von mir selbst nicht behaupten würde. Trotzdem wagte ich es, mich über die einzelnen Stiftungen zu informieren. Beim Einholen der Informationen merkte ich zunehmend, dass es bei den meisten Stiftungen nicht darum geht, ausnahmslos Einserkandidaten zu fördern, sondern vielmehr junge Menschen, die neugierig und wissbegierig sind und die Welt mit offenen Augen betrachten. Damit konnte ich mich mehr identifizieren und erfolgreiche Bewerbungen um ein Stipendium in meinem Freundeskreis hatten mich ebenfalls ermutigt, den Schritt zu wagen und mich für die Stiftung meiner Wahl, das Evangelische Studienwerk Villigst, zu bewerben.

Für die Bewerbung für das Evangelische Studienwerk Villigst muss man nicht zwingend der Evangelischen Kirche angehören. Dann muss man allerdings in einem Sonderantrag erläutern, warum man sich für Villigst entschieden hat und seine Gedanken zur Kirche und Religion formulieren. Bewerben kann man sich für die Grundförderung jeweils zum 01.03. und 01.09. eines Jahres. Zu den einzureichenden Bewerbungsunterlagen gehören neben den formellen Unterlagen wie dem Zeugnis und einem tabellarischen Lebenslauf, auch ein ausführlicher Lebenslauf und ein Jahresbericht über das vergangene Jahr. Der ausführliche Lebenslauf sollte keinesfalls die ausformulierte Variante des tabellarischen Lebenslaufs sein, sondern im Wesentlichen ein Erfahrungsbericht über euer bisheriges Leben. So könnt ihr neben euren Praktika oder eurem sozialen Engagement auch über Dinge schreiben, die eure Persönlichkeit geprägt haben, Lebensumstände mit denen ihr zu kämpfen hattet oder Themen, die euch sehr beschäftigt haben. Ferner sind ein Gutachten über das soziale Engagement, welches bei Villigst, aber auch bei allen anderen Stiftungen, einen hohen Stellenwert einnimmt, sowie ein fachliches Gutachten über eure Studierfähigkeit einzureichen. Für das fachliche Gutachten könnt ihr euch an eine Lehrerin oder einen Lehrer bzw. an eine Professorin oder einen Professor eurer Wahl wenden.

Rückblickend fand ich persönlich die Bewerbung aufwändig, doch es ist auch eine Möglichkeit, sich selbst zu reflektieren und sich selbst besser kennenzulernen. In diesem Sinne habt ihr auch nichts zu verlieren ;). Die Auswahl bei Villigst erfolgt in zwei Stufen. Nachdem man alle Unterlagen übersendet hat, wird man in der ersten Stufe in einem Vorauswahlgespräch eingeladen, welches meist in der näheren Umgebung von eurem Wohnort stattfindet. Das halbstündige Gespräch findet auf Grundlage eurer eingereichten Bewerbungsunterlagen statt. Hier wird vor allem auf euren Lebenslauf und die Motivation der Studienwahl eingegangen. Wenn man die Auswahlkommission in der Vorauswahl überzeugt hat, wird man dann zur Hauptauswahl eingeladen. Die Hauptauswahl findet im Haus Villigst in Schwerte, einer kleinen Stadt im Ruhrgebiet, welche zugleich der Sitz der Stiftung ist, statt. Die Auswahl ging über zwei Tage. Am ersten Tag wurden wir in kleine Gruppen eingeteilt, meistens erfolgte die Einteilung nach Studienfach. Da ich mich selbst für ein Medizinstudium beworben hatte, waren die meisten Leute in meiner Gruppe angehende Mediziner. Die erste Aufgabe bestand darin, als Gruppe ein fiktives Problem zu lösen. Wir führten sehr intensive Diskussionen, die ich so in der Schule nie erlebt hatte. Es herrschte eine gute Atmosphäre und jeder kam zu Wort und konnte seinen Teil zu der Diskussion beitragen. Die Auswahlkommission hielt sich im Hintergrund und sie unterbrachen uns lediglich um anzukündigen, dass die Zeit bald um war. Die zweite Aufgabe bestand darin, ein ein-minütiges Statement zu einem Kurzfilm abzugeben. Da es ein sehr abstrakter Kurzfilm war, gab es mehrere Möglichkeiten ihn zu interpretieren. So hat jeder ihn anders wahrgenommen und interpretiert. Wichtig hierbei ist, sich nicht von anderen Interpretationen abbringen zu lassen, sondern zu seiner eigenen Meinung zu stehen. Als der Tag geschafft war, saß ich am Abend gemütlich mit ein paar Mitbewerbern zusammen. Die Stimmung war trotz der Auswahl gelassen und angenehm. Es war keine Spur von „Konkurrenzstimmung“. Wir versuchten uns ein bisschen abzulenken und einfach einen schönen Abend zu haben. Am Folgetag stand nur noch das halbstündige Einzelgespräch an. Das Gespräch bestand unter anderem auch aus einer Fachprüfung. Da ich noch Schülerin war und in die Richtung Medizin studieren wollte, wurde ich fachlich insbesondere im Bereich der Biologie geprüft. Darüber hinaus unterhielten wir uns über geschichtliche und kirchengeschichtliche Themen, sowie über aktuelle gesellschaftspolitische Ereignisse. Ich habe versucht, alles nach bestem Wissen zu beantworten, es war aber auch nicht schlimm, wenn ich mal keine Antwort wusste. Wichtig ist es, dass man dabei natürlich bleibt und auch offen zugibt, dass man zu der Frage keine Antwort weiß. Alles in allem war es jedoch ein angenehmes Gespräch.

Meine Heimreise trat ich einerseits erleichtert, dass ich die Auswahl hinter mich gebracht hatte, aber anderseits auch mit einem eher schlechten Gefühl an. Alle meine Mitbewerber waren tolle Persönlichkeiten, die sehr eifrig und sehr engagiert waren. So war ich mir nicht sicher, ob ich wirklich mit ihnen mithalten konnte.

Schon eine Woche nach der Hauptauswahl erhielt ich den erlösenden Brief, dass ich zu den Glücklichen gehörte, die in die Förderung aufgenommen worden sind. So wurde ich zu der Einführungswoche eingeladen, wo ich noch viele der Mitbewerber wiedergesehen habe. Hier konnte ich mehr über die Förderung des Ev. Studienwerks erfahren und war begeistert, dass sie auch Auslandssemester und Auslandsfamulaturen fördern. Ich denke, dass ich dieses Angebot in ferner Zukunft nutzen werde.  Insgesamt ist die Förderung beim Ev. Studienwerk Villigst für mich sowohl finanziell als auch ideell eine große Bereicherung. So werden alle Stipendiaten finanziell mit einem Grundstipendium, welches nach dem BAföG-Satz berechnet wird und einer einkommensunabhängigen Studienkostenpauschale von 300 Euro gefördert. Dadurch wird man finanziell im Studium deutlich entlastet, wodurch man sich zeitlich mehr seinem Studium widmen kann. Mindestens genauso wichtig finde ich die ideelle Förderung. Bei Villigst wird sehr viel Wert auf Vernetzung und interdisziplinären Austausch gelegt. Die Vernetzung fängt schon am Studienort an. Villigster Stipendiaten sind in Konventen organisiert. Als Konvent treffen wir uns regelmäßig, stimmen über interne Dinge ab, kochen mal zusammen, planen gemeinsame Unternehmungen – es ist einfach wie eine kleine Familie. Es gibt im Jahr auch mehrfach Möglichkeiten mit anderen Villigstern in Kontakt zu treten, wie beispielsweise bei den Pfingsttreffen und Delegiertenkonferenzen. Ferner wird man als Stipendiat auch individuell betreut. So kann man sich bei Fragen und Problemen, sei es studienbezogen oder persönlich, an die Studienleiterin oder den Studienleiter wenden. Durch den Jahresbericht, der zu den Pflichten der Stipendiaten zählt, werden die Studienleiter immer auf dem Laufenden gehalten und können meist gezielt einen Rat geben. In schwierigen Phasen hat man so immer ein bisschen Rückendeckung und fühlt sich nicht allein gelassen mit seinen Problemen. Ein Highlight im Villigster Jahresprogramm ist jedes Jahr die Sommeruni. Hier hat man die Möglichkeit, interdisziplinär und fachübergreifend an verschiedenen Themen zu arbeiten und zu diskutieren. Aber in der Sommeruni geht es nicht nur darum, Diskussionen zu führen, sondern auch Kontakte zu knüpfen, sich auszutauschen und seine Meinung zu bilden. Dort wurde mir auch klar, was für ein buntes Völkchen die Villigster sind. Von Jura, Medizin, Soziale Arbeit, über Psychologie und Philosophie ist so ziemlich alles vertreten. Die Sommeruni ist immer eine tolle Erfahrung. Schön finde ich bei Villigst, dass jeder auf seine Weise einzigartig ist, aber dennoch haben wir Villigster eine ähnliche Mentalität – und zwar die Bereitschaft, soziale und gesellschaftliche Verantwortung im Sinne der christlichen Tradition zu übernehmen, nicht alles mit „Ja und Amen“ ab zu nicken, sondern auch Dinge kritisch zu hinterfragen und seine eigene Meinung zu bilden. Das ist auch das, was mir am Ev. Studienwerk Villigst so gefällt. In diesem Sinne kann ich euch nur raten: Traut euch euch zu bewerben, es ist eine Chance für euch, bei der ihr nichts zu verlieren habt. Es ist wirklich eine wunderbare Bereicherung für euer Studium. Falls ihr euch für das Evangelische Studienwerk Villigst entscheidet, findet ihr die genauen Anforderungen für die Bewerbung auf der Homepage:

www.evstudienwerk.de/bewerbung/studium/voraussetzung.html

Von Vithusha Vijayakumar

Bericht Stipendium

,,Auf die Persönlichkeit kommt es an’’ – das waren die Worte, mit denen ich wohl am meisten konfrontiert wurde, als ich mich in Hinblick auf die Studienzeit dazu entschloss, den Kampf um einen der heiß begehrten Stipendienplätze auf mich zu nehmen. Diese Entscheidung musste schnell fallen, denn noch bevor ich überhaupt 2013 in die schriftlichen Abiturprüfungen am Otto-Hahn-Gymnasium Ludwigsburg starten konnte, musste die Bewerbung bei meiner Wahlstiftung eingehen. In meinem Fall war es das Cusanuswerk, eine bischöfliche Studienstiftung, die verschiedene Stipendien für Studenten aller Studiengänge vergibt. So konnte ich mich mit meinem gewählten Studiengang, einem Lehramtsstudium in den Fächern Chemie und Latein, dort bewerben. Natürlich sollte man sich vor solch einer Bewerbung genau über die Stiftungen und deren Ansichten informieren, denn sich bei einer Stiftung zu bewerben, die ganz andere Ansichten vertritt, bleibt so gut wie immer erfolglos. Bevor ich meine Bewerbung also endgültig abschickte, überprüfte ich noch die Voraussetzungen: Die deutsche Staatsangehörigkeit musste man haben und katholisch musste man sein. Nachdem ich auch das erfüllt habe, konnte ich mich voll und ganz auf meine Bewerbung konzentrieren.

Bei dieser Bewerbung handelte es sich um eine Bewerbung für eine Erstsemesterförderung, die jedoch in den meisten Fällen in eine generelle Förderung während des gesamten Studiums übergeht. Nach der erfolgreichen Registrierung auf der Internetplattform der Stiftung erfuhr ich auch sofort, was diese Bewerbung beinhalten sollte: Neben ein paar formellen Angaben zu meiner Person musste ich mein Abiturzeugnis und eine Immatrikulationsbescheinigung einschicken, wodurch ich an dieser Stelle bereits vor ein Problem gestellt wurde: Wie soll ich mein Abiturzeugnis einschicken, wenn ich noch nicht einmal die schriftlichen Prüfungen geschrieben habe, und wie soll ich eine Studienbescheinigung beilegen, wenn ich mich erst mit meinem Abiturzeugnis im Sommer an der Uni einschreiben kann? Glücklicherweise konnten mir diese Fragen schnell beantwortet werden, denn diese Dokumente kann man selbstverständlich nachreichen. Gute Noten und persönliche Angaben sind bei Stiftungen jedoch nur die halbe Miete, viel wichtiger ist meist diese bereits angesprochene ,,Persönlichkeit’’ und auch ein gewisses Engagement. Um diesen Bereich abzudecken, sollte man zusätzlich einen ,,Lebenslauf’’ mit 2500 Worten verfassen, wodurch bereits das zweite Hindernis auf mich wartete: Dieser Lebenslauf sollte kein typischer sein, in dem die Schullaufbahn oder verschiedene Praktika aufgezählt werden, sondern ein Text, in dem die Entwicklung der Persönlichkeit, die Entwicklung des Glaubens, Interessenschwerpunkte, relevante Gesellschaftsfragen, Studienwahl und eben auch Engagement aufgezeigt werden. Da dies alles einen sehr großen Interpretationsspielraum zulässt, entschied ich mich dazu, mehr über solch einen Lebenslauf herauszufinden. Aber auch das Internet lieferte mir nur immer wieder dieselbe Antwort: Die Persönlichkeit muss in diesem Text zum Vorschein kommen. Daher musste ich auf mein Bauchgefühl hören und schrieb neben positiven Stationen in meinem Leben und meinem ehrenamtlichen Engagement in verschiedenen Bereichen, vor allem auch über meine Schwächen und über Momente, die mich zurückgeschlagen haben – eben über all das, was meine Persönlichkeit geprägt hat. Noch dazu kamen Gesellschaftsfragen, die mich interessierten, Dinge, die mich begeistern, Themen, mit denen ich gar nichts anfangen kann, und natürlich auch ein kurzer Abschnitt, warum ich mich für dieses Studium entschieden habe, warum ich den Beruf später ausüben möchte und wie ich die Menschen hierdurch weiterbringen kann.

Nun hieß es warten. Immer wieder fragte ich mich, ob meine Bewerbung überzeugend genug war, bis fünf Monate später endlich der erlösende Brief kam: Es hatte gereicht, um zu einem Auswahltag eingeladen zu werden. Von mehreren tausend Bewerbern wurden jeweils 40 bis 60 angehende Studenten in vier größere Städte, in meinem Fall war es Stuttgart, zu verschiedenen Gesprächen und Tests eingeladen. Und wieder stand auf der Einladung: ,,Zeigen Sie uns an diesem Tag Ihre Persönlichkeit, verstellen Sie sich nicht und sind Sie einfach so, wie Sie sind’’. Und so startete ich auch in diesen besagten Auswahltag: Anstatt schickerer Kleidung entschied ich mich für Alttagskleidung, in der ich eben so war, wie ich bin. Als ich schließlich in Stuttgart ankam, saß ich also neben all meinen ,,Konkurrenten’’, die letztlich doch alle in Anzug oder Kleid da waren, wovon ich mich jedoch nicht beirren ließ. Zu einem Konkurrenzverhalten kam es überraschenderweise zu keiner Zeit, denn wir verstanden uns alle auf Anhieb gut und tauschten uns über die verschiedensten Themen aus. Doch irgendwann war es dann soweit, das erste Gespräch stand an, wobei es sich um ein Doppelgespräch, d.h. ein Gespräch mit einem weiteren Bewerber, handelte. Dieses Gespräch fand mit einem Vertreter der Geschäftsstelle des Cusanuswerks statt. Doch zu unserem Erstaunen wurden wir nicht ausgefragt, sondern unsere einzige Vorgabe war mal wieder: ,,Präsentieren Sie sich so, dass Ihre Persönlichkeit zum Vorschein kommt“. So begannen wir unsere Person, unsere Stärken, unsere Schwächen, unser kirchliches und gesellschaftliches Engagement und unsere Ziele vorzustellen. Zu Beginn betonte unser ,,Gesprächsleiter“, dass es ihm am liebsten sei, wenn wir uns selbstständig in ein Gespräch vertiefen und Eigeninitiative zeigen würden, und so begannen wir heftig über alle möglichen Themen zu diskutieren, natürlich immer auf vernünftiger Basis. Meiner Meinung blieb ich hierbei immer treu und auch wenn ich über ein Thema einmal gar nicht bescheid wusste, blieb ich bei der Wahrheit und gab dies zu, was gut anzukommen schien. Hilfreich war vor allem auch, dass ich mich im Vorhinein über die Stiftung und über deren ideelle Förderung informiert hatte, so konnte ich auch die Frage, warum ich mich ausgerechnet beim Cusanuswerk beworben habe, souverän beantworten. Auf diese Weise vergingen die 90 Minuten wie im Flug und so war mein erstes Gespräch auch schon überstanden. Gleich darauf stand ein 60-minütiges Gespräch mit einem Professor auf dem Plan. Zu Beginn konfrontierte er mich mit einem Mathetest, den ich ruhig anging und letztendlich recht gut lösen konnte. Wie mir später gesagt wurde kam es nicht so sehr darauf an, die Aufgaben perfekt zu lösen, sondern eher darauf, die Ruhe zu bewahren, nicht in Panik zu verfallen und systematisch vorzugehen. Anschließend wurde ich mit Fragen zu meinem Studium gelöchert. Neben inhaltlichen Fragen ging es hier vor allem um die Wahl des Studiengangs, wobei der Professor sehr gern hörte, dass ich das Lehramtsstudium aus Überzeugung und nicht aus irgendwelchen anderen Gründen auf mich nehmen möchte. Zuletzt gab es ein Gespräch mit einem Pastoralreferenten, bei dem es um mein Engagement, mein Gesellschaftsbewusstsein, den Umgang mit schwierigen Situationen und meinen Glauben ging. Und schon war auch dieser Tag vorbei und es hieß wieder warten.

Eine Woche später kam der erlösende Brief – Ich wurde tatsächlich in das Stipendien- und Förderprogramm des Cusanuswerks aufgenommen und war somit eine von ca. 60 Leuten in ganz Deutschland (von mehreren tausend Bewerbern!!), die sich freuen durfte. In Tübingen, wo ich inzwischen studiere, sind wir lediglich drei Studenten, die neu in das Programm aufgenommen wurden. Neben einer finanziellen Förderung, die aus einem Büchergeld und einem individuellen Stipendienbetrag besteht, darf ich nun auch eine ideelle Förderung in allen möglichen Bereichen genießen. Doch vor allem war und ist die Stiftung ideal, um neue Leute kennenzulernen und um Anschluss in der neuen Umgebung und an der Uni finden. Bereits zu Beginn des ersten Semesters gab es mehrere Treffen, bei denen man mit der  Gruppe der alten und neuen Stipendiaten in Kontakt trat und von der man auch gleich herzlich aufgenommen wurde.

Nun bin ich auf jeden Fall bis 2015 eine von ca. tausend Cusanerinnen und Cusanern in Deutschland und werde, wenn alles glatt läuft, auch anschließend für das restliche Studium übernommen. Spätestens jetzt haben sich all die Strapazen und die Mühen, die mit der Bewerbung kamen, gelohnt, wobei ich auch allein schon solch eine Bewerbung an sich empfehlen kann, da man viele interessante Erfahrungen sammelt und sich selbst noch ein bisschen besser kennenlernt.

Von Julia Senz

Erfahrungsbericht über das Bewerbungsverfahren um ein Stipendium

Als ich in einer Informationsstunde an der Schule in der 12. Klasse mit dem Thema Stipendium konfrontiert wurde, dachte ich mir das, was sich wohl die meisten dabei denken: „Da werde ich doch eh nicht genommen.“ Trotzdem habe ich den Versuch gewagt und mich beworben.

Ich habe mich vor dem Abitur beim Evangelischen Studienwerk Villigst beworben und wurde dort zu einem Vorauswahlgespräch eingeladen. Als ich vom OHG nach dem Abi für ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes vorgeschlagen wurde und mich nach einem Auswahlverfahren über eine Zusage freuen durfte, zog ich meine Bewerbung für Villigst zurück.
Daher kann ich einige Erfahrungen zu diesen beiden Förderwerken weitergeben.
Was bringt ein Stipendium mit sich?

Man unterscheidet zwischen finanzieller und ideeller Förderung. Die meisten Förderwerke zahlen unabhängig vom eigenen Einkommen und Vermögen der Eltern ein Grundstipendium von 300€ im Monat. Zusätzlich bekommt man Unterstützung, die sich an BAföG orientiert.
Die ideelle Förderung hängt von den Stiftungen ab. Bei der Studienstiftung des deutschen Volkes hat man die Möglichkeit, an mehrwöchigen Akademien teilzunehmen und dort Themen aus den verschiedensten Fachbereichen zu erarbeiten. Es werden Sprachkurse, Seminare, Exkursionen und wissenschaftliche Arbeitsgruppen angeboten. Außerdem kann man als Stipendiat selbst etwas auf die Beine stellen. Bei allem wirkt die Studienstiftung mit finanzieller und planerischer Unterstützung mit.
Darüber hinaus profitiert man von einem großen Netzwerk aus Altstipendiaten, über das man leicht Kontakte knüpfen kann. Dabei kann man über den eigenen Tellerrand hinausschauen und Orientierung für den eigenen Lebensweg finden.

Auswahl des Förderungswerkes

Generell sollte man sich überlegen welche Stiftung am besten zu einem passt. Im Fall von kirchlichen Stiftungen ist es von Vorteil, wenn man gemeinsame Werte teilt. Dennoch ist es kein Ausschlusskriterium, wenn man anders- oder nichtgläubig ist.
Bei den politischen Stiftungen ist es noch wichtiger, dass man sich mit der Partei identifizieren kann.  Mein Eindruck ist, dass die Auswahlverfahren bei den politischen Stiftungen etwas strenger und schwieriger sind.

Gutachten

Die Bewerbung beim evangelischen Studienwerk hat etwas Aufwand in Anspruch genommen. Ich musste ein fachliches und ein gesellschaftliches Gutachten einholen sowie einen ausführlichen Lebenslauf und einen Erfahrungsbericht über mein letztes Jahr vor der Bewerbung schreiben. Gerade wegen der Gutachten ist eine Bewerbung schon während der Schulzeit sinnvoll. Es ist einfacher, einen Lehrer darum zu bitten als einen Professor an der Uni, den man nicht kennt. Wenn man sich aus welchen Gründen auch immer erst später bewerben möchte, kann man die Gutachten trotzdem schon einholen.

Lebenslauf

Für die zu verfassenden Texte haben die Stiftungen Vorgaben formuliert, die man auf den Homepages finden kann. Es ist wichtig, gut darüber informiert zu sein, wo die Auswahlschwerpunkte bei den jeweiligen Förderwerken liegen.
Oft hört man, dass herausragendes gesellschaftliches Engagement erwartet wird. Ich selbst habe zum Beispiel angegeben, dass ich im Abikomitee aktiv war und früher eine Jungschargruppe in meiner Kirchengemeinde geleitet habe. Ein Freund von mir, der auch genommen wurde, hat erzählt, er hätte sich bis jetzt noch gar nicht wirklich sozial engagiert.
Meiner Meinung nach ist vor allem wichtig, wie vielfältig man interessiert und aktiv ist. Deshalb sollte man alle Aktivitäten angeben, die man außerhalb der Schule hatte. Das kann alles Mögliche sein (z.B. Sport, Instrument, Lesen, Wettbewerbe, Klassensprecher, Ferienarbeit/Nebenjob oder andere Hobbies und Interessen).
Die Stiftungen wollen meist mit einer Förderung zu gesellschaftlichem Engagement motivieren und erwarten nicht, dass man im Voraus soziale Projekte auf die Beine gestellt hat oder Engagementpreise gewonnen hat.
Beim Schreiben sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass der Lebenslauf der erste Eindruck und die Grundlage für das Auswahlgespräch ist. Deswegen gilt: Viel über sich erzählen, aber nicht übertreiben und vor allem nichts schreiben, was man nicht ausführlich in einem Gespräch erklären könnte! Es kommt außerdem gut an, wenn man begründen kann, warum man etwas gemacht oder entschieden hat und eine Art roten Faden im Lebenslauf hat.

Auswahlgespräche

Ich hatte ein Auswahlgespräch beim evangelischen Studienwerk und zwei Einzelgespräche sowie eine Gruppendiskussion bei der Studienstiftung. Den Auswählern geht es darum, den Bewerber kennenzulernen und Hintergründe zu den Angaben aus dem Lebenslauf zu erfahren. Idealerweise kann man sich das wie ein normales Gespräch vorstellen, welches man selbst mit lenken kann.
Ich habe angegeben, dass ich mich für das aktuelle Geschehen in Politik und Wirtschaft interessiere. Natürlich wurde das dann auch thematisiert. In einem anderen Gespräch habe ich meine Meinung zum Thema G8 gesagt und dreißig Minuten über Psychologie geredet, weil ich einmal ein Seminar dazu besucht hatte. Es können auch unerwartete Fragen kommen, davon sollte man sich aber nicht beunruhigen lassen.
Oft werden auch Fragen zum Studienfach gestellt: Man sollte wissen warum man sein Studienfach gewählt hat. Nach Stärken und Schwächen wird normalerweise nicht gefragt. Es ist schließlich kein standardisiertes Bewerbungsgespräch und die Gestaltung ist sehr stark von den Gesprächspartnern abhängig.
Es ist kein Weltuntergang, wenn man mal keine Antwort auf eine Frage hat und es ist auch gewünscht, von sich aus etwas zu erzählen.
Auf die Gespräche kann man sich vorbereiten: Man sollte seinen Lebenslauf nochmal durchlesen und ein paar Wochen davor die Nachrichten verfolgen.

Referat und Gruppendiskussionen

Im Rahmen der Gruppendiskussionen musste ich ein siebenminütiges Referat halten und anschießend 15 Minuten lang eine Diskussion leiten. Bei den anderen Referaten habe ich als Zuhörer anschließend mitdiskutiert. Bei der Themenwahl sollte man Folgendes beachten: Man sollte Interesse dafür zeigen, sodass man es überzeugend vortragen und darüber diskutieren kann. Das wichtigste Kriterium ist, ob das Thema für eine Diskussion geeignet ist! Es bringt nichts über etwas Außergewöhnliches zu referieren, wenn danach keine Diskussion entsteht. Jeder sollte mit seinem Wissen etwas beitragen können und es sollte sehr kontrovers und möglichst aktuell sein. Bei der Diskussion selbst kann man als Moderator etwas in den Hintergrund treten und bei Bedarf lenken, zusammenfassen oder einen neuen Aspekt einbringen. Generell gilt für die Diskussionen: Qualität statt Quantität! Es kommt nicht gut an, wenn man sich in den Vordergrund drängt oder ständig neue Aspekte einbringen will. Am besten ist es, wenn jeder zu Wort kommt und man den anderen zuhört.

Auswahlwochenende

Das Auswahlwochenende bestand aber nicht nur aus den Gesprächen und Diskussionen. Man hatte die Gelegenheit, viele neue Leute kennenzulernen und die Freizeit gemeinsam zu verbringen. Wir saßen abends noch lange zusammen im Bierkeller und haben Karten gespielt und ein paar Bier getrunken. Auch das Auswahlkomitee saß am Nachbartisch und es war insgesamt eine sehr lockere und entspannte Atmosphäre. Außerdem gab es gutes Essen. Was mir am besten gefallen hat, dass es überhaupt kein Konkurrenzgefühl gab, sondern wir uns gegenseitig unterstützt haben.
Das Wochenende wäre, auch wenn ich nicht genommen worden wäre, eine tolle Erfahrung gewesen. Deswegen kann ich nur dazu raten, die Chance zu nutzen und sich zu bewerben.

Von Alexander Höttler